Internet: – Eintauchen in die Welt der Schokolade

Internet:. Auf 1200 Quadratmetern Ausstellungsfläche mit drei Themenwelten sind historische Gerätschaften, Maschinen und ein Schokobrunnen zu sehen. Wie ein Schrein steht er in der Mitte des Raumes, an den Wänden ist „glücklich“ und „himmlisch“ zu lesen. Der Brunnen ist abgedeckt – sicher ist sicher –, doch aus seinen Hähnen tropft dickflüssige Milchschokolade auf kleine Waffeln, die Rieke Becker den Besuchern reicht. Der Tipp der Museumsführerin: „Wenn ihr sie ableckt und nicht gleich aufesst, könnt ihr sie mehrmals benutzen.“

LN-Bild

Das Chocoversum ist eines der jüngsten Museen in Hamburg, 2011 öffnete es seine Türen. Im vergangenen Jahr verhalfen 204000 Naschkatzen dem schokobraunen Backsteinbau im Herzen der Altstadt zu einem Besucherrekord. Hinter der Einrichtung steckt der Bremer Hersteller Hachez.

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www.chocoversum.de

Nächster Halt ist der südamerikanische Dschungel. Große dunkelgrüne Pappaufsteller zeigen anhand von Zeichnungen die ersten Schritte der Kakaoverarbeitung: Frucht pflücken, aufschneiden, das Fruchtfleisch samt Kernen auf Palmenblättern auslegen, luftdicht bedecken, fermentieren lassen.

Kakaofrüchte sind 15 bis 25 Zentimeter groß und ein Pfund schwer. Das weiße Innere sieht frisch geerntet ziemlich unspektakulär aus. Zwar ist das süß-säuerliche Fruchtfleisch essbar, die je 30 bis 50 Bohnen schmecken jedoch in diesem Zustand bitter und kein bisschen nach Kakao.

Nach dem Gärprozess der Fermentation werden die Bohnen sonnengetrocknet und für den Schiffstransport in Jutesäcke verpackt. Ein Bereich des Chocoversums ist einer Hafenanlage nachempfunden. Hier simuliert Rieke Becker mit den Schokofans eine Qualitätskontrolle. Die Bohnen werden aufgebrochen und im Querschnitt betrachtet. Sind sie violett oder grau, war die Fermentation nicht erfolgreich.

Sind die Bohnen braun, ist alles gut gegangen. Die Probe wird durchgewunken.

Im nächsten Schritt werden die Kakaobohnen geröstet, aufgebrochen und von der Schale befreit. Der Duft ist schon sehr schokoladig. Der entstandene Kakaobruch wird im Melangeur weiterverarbeitet. Die Maschine vermischt den Kakao mit Zutaten wie Vollmilchpulver und Zucker. Dabei entsteht eine feinkörnige Paste, die sich auf der Zunge etwas sandig anfühlt. Walzen lassen die körnige Struktur jetzt mehr und mehr verschwinden. Dann ist die Masse bereit für die Conche. In diesem Becken wird die Kakaomasse für bis zu 72 Stunden erwärmt und gerührt, bis sie flüssig und ihr Geschmack vollendet ist.

Rieke Becker taucht verheißungsvoll eine Kelle in die Conche. Der Anblick lässt Meike Bücker (31) seufzen. „Darin könnte ich baden!“, sagt die Rostockerin.

Bis ins 19. Jahrhundert hinein genossen die Menschen Kakao als Getränk. Dann veränderten sich die Produktionsprozesse, Tafeln und Pralinen entstanden. Die letzte Maschine im Museum formt und verpackt die Schokolade zu Täfelchen. Zart schmilzt die süße Sünde im Mund. Rieke Becker ist nicht anzusehen, dass sie ständig all die Köstlichkeiten um sich herum hat. Vielleicht is(s)t sie einfach diszipliniert. „Ich nasche nicht mehr oder weniger Schokolade, seit ich hier arbeite, aber ich achte mehr auf die Qualität“, sagt die 27-Jährige.

In der Schokowerkstatt gestaltet Miriam Suhr gerade ihre eigene Schokolade. Behälter mit Kokosflocken, rotem Pfeffer und Krokant stehen zur Dekoration und Geschmacksveredelung bereit. Die 32-Jährige entscheidet sich für Kaffeebohnen und eine Gewürzmischung mit Kardamom. Dann werden die dicken Tafeln gekühlt und verpackt. „Hier werden alle Sinne angesprochen“, sagt die Lübeckerin und strahlt.

„Man darf anfassen, schnuppern, probieren.“

Genau das wäre direkt beim Schokoladenhersteller Hachez aus hygienischen Gründen unmöglich. Deshalb betreibt das Unternehmen seit 2011 die Hachez Chocoversum GmbH. Mit solchen sogenannten Markenerlebniswelten wollen Firmen ihren Kunden besondere Einblicke ermöglichen, aber auch Geld verdienen. Das sprach Chocoversum-Geschäftsführerin Stephanie Schaub auch auf dem FoodRegio-Trendtag am Donnerstag in Lübeck an: „So lässt sich für den Kunden ein schönes Erlebnis mit viel Nähe zum Produkt schaffen – aber das Ambiente muss stimmen.“

Nina Gottschalk

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